Geröstete Schokonüsse

Und warum das Weiche die Welt zu einem besseren Ort macht

Manchmal finde ich es schwer, im Angesicht der Ereignisse der Welt einen Beitrag zu schreiben, der sich „nur“ mit Essen beschäftigt. Gleichzeitig glaube ich, dass wir gerade in Zeiten wie diesen ein wenig Licht, ein wenig Aufmunterung und ein wenig Liebe ganz besonders gut gebrauchen können. Und all das kann uns gutes Essen und die Beschäftigung damit bringen. Diese Woche habe ich darüber nachgedacht, dass wir in einer Zeit leben, in der Ereignisse meist als Schwarz oder Weiß dargestellt werden. Mir fehlen oft die Zwischentöne, das, was zwischen Gut und Falsch in vielen Grauschattierungen passiert. Das Vielleicht zwischen dem Ja und dem Nein. Der Philosoph Laotse hat vor 2000 Jahren etwas geschrieben, was mir immer wieder in den Sinn kommt: „Das Biegsame besiegt das Harte, das Schmiegsame besiegt das Starke.“ Ein schöner Gedanke in einer Welt, die momentan sehr verhärtet und brutal erscheint. Für mich steht das Weiche für die Menschlichkeit und Zugewandtheit. Beides Eigenschaften, die wir nicht nur in guten, sondern gerade in schlechten Zeiten in uns kultivieren sollten. Was ist, wenn wir, anstatt der Angst die Oberhand zu lassen, fest an unserer Liebe, Freundlichkeit und auch dem ein oder anderen Vielleicht festhalten?

Das Weiche wird of als schwach angesehen, dabei braucht es große Stärke, um weich und flexibel zu bleiben. Wenn wir Angst haben, versteifen wir unwillkürlich unsere Muskeln. Oft versteifen wir auch unseren Geist, der sich dann nicht mehr frei bewegen kann. Es ist schwer, immer wieder weich, empfindsam, nachdenklich und offen zu bleiben, aber es lohnt sich so sehr für unser inneres und äußeres Klima. Weich zu sein hat auch mit Freundlichkeit zu tun. Das Weiche ist nicht schnell mit seinem Urteil, sondern lässt sich Zeit, lässt die Situation atmen und zu sich sprechen. Das Weiche erlaubt, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt, sondern viele, und gibt sich damit zufrieden. Wie heilsam es sein kann, einem weichen Menschen in einer harten Welt zu begegnen. Wir können es nicht planen, aber manchmal bedeutet unsere Weichheit und Freundlichkeit die Welt für einen anderen. Eine Freundin hat mal vor Jahren zu mir gesagt: „Du weißt nie, vor welchen Abgründen ein Mensch gerade steht. Deshalb sei gut zu ihm, in der Vermutung, dass er genau das gerade braucht.“ Das Weiche kann Berge versetzen. Das Weiche macht die Welt zu einem besseren Ort.

MEIN REZEPT DER WOCHE

Auch in der Ernährung verfolge ich den Weg des Weichen. Für mich haben Verbote und Strenge nie funktioniert. Sie können für kurze Zeit sinnvoll sein, wenn man ein bestimmtes Ziel erreichen will. Auf Dauer erfordern sie aber zu viel Kraft. Das Weiche findet Lösungen, ohne Verbote machen zu müssen. Ich suche zum Beispiel immer nach Wegen, wie wir unseren Gelüsten nachgeben können, ohne dabei unserem Körper zu schaden. Wenn wir gerne Süßes essen, zuviel Zucker aber unserer Gesundheit schadet, dann können wir uns die Süßigkeiten entweder verbieten oder nach süßen Alternativen suchen, die besser für uns sind. Genau diesem Motiv folgt mein Rezept der Woche. Wenn man sich eine Tafel Schokolade mit Nüssen vorstellt, dann besteht diese aus 90 Prozent Schokolade und 10 Prozent Nüssen. Mein Rezept der Woche dreht dieses Prinzip genau um: es besteht hauptsächlich aus Nüssen und einem Mini-Anteil selbstgemachter Schokolade, mit ganz wenig Zucker und dafür viel Pflanzenproteinen und -fetten, die den Blutzuckerspiegel in Balance halten. Trotzdem schmecken sie wie ein wundervoller süßer Snack – und sind eben einfach heimlich gut für uns. Dabei sind sie ziemlich knackig und gar nicht weich. Aber man muss es mit den Prinzipien ja auch nicht übertreiben, oder?

Und nun meine Frage an Dich: hast Du einen Tipp, wie Du immer wieder zu Weichheit und Freundlichkeit zurück kehrst, auch wenn die Welt um Dich herum Kopf steht? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unter diesem Beitrag!

Geröstete Schokonüsse

Portionen 1 Portion Nüsse à 400 g
Zubereitungszeit 15 Min.
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Zutaten

Für ca. 400 g Schokonüsse:

  • 400 g gemischte Nüsse zum Beispiel Cashews, blanchierte Mandeln und Pekannüsse
  • 1 EL Kakaopulver
  • 1 TL Zimt
  • 1/4 TL Salz
  • 2 EL Ahornsirup Grad A oder C
  • 20 g Kokosöl geschmolzen (alternativ: 2 EL Olivenöl)

Zum Bestreuen:

  • 2 TL Kokosblütenzucker
  • 2 TL Kakaopulver
  • 1/4 TL Cayennepfeffer optional

So geht's

  • Den Backofen auf 180 °C Ober- und Unterhitze vorheizen.
  • Die Nüsse in eine Schüssel geben. Kakaopulver, Zimt, Salz, Ahornsirup und Kokosöl in einer Schale vermischen. Auf den Nüssen verteilen und gut vermischen, bis die Nüsse komplett mit der Marinade bedeckt sind.
  • Ein Backblech mit Backpapier auskleiden und die Nüsse gleichmäßig darauf verteilen. Ca. 10 bis 12 Minuten backen, bis die Nüsse leicht gebräunt sind (soweit man das trotz der Marinade beurteilen kann). Zwischendurch kontrollieren, dass die Nüsse nicht anbrennen.
  • Die Nüsse aus dem Ofen nehmen. Kokosblütenzucker, Kakaopulver und Cayennepfeffer zum Bestreuen vermischen und auf die Nüsse streuen und mit einem Löffel gut vermischen. Die Nüsse komplett abkühlen lassen.
  • Die Nüsse können in einer geschlossenen Dose mindestens 1 Woche bei Raumtemperatur aufbewahrt werden.
Wellcuisine Stefanie Reeb

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  1. Barbara sagt:

    Liebe Stefanie, danke dir für deine warmherzigen Worte in diesen schweren Zeiten. Mich beschäftigt die Situation auch, weil ich beruflich im Austausch mit osteuropäischen Ländern tätig war und sehr viele Kontakte habe. Laotse ist weise! Diese Schokonüsse sind wahre Nervennahrung, habe sie schon verschenkt und muss bald neue machen. Ganz herzliche Grüße, Barbara

    1. Stefanie Reeb Autor sagt:

      Liebe Barbara,

      danke für Deine Nachricht! Ja, dies sind wirklich schwierige Zeiten, in denen wir gute Nerven UND leckere Nervennahrung brauchen!

      Einen ganz lieben Gruß
      Stefanie

  2. Liebe Stefanie, das ist kein Kommentar zu diesem Rezept.
    Das ist eine gerade unbedingt spontan Ausdruck finden wollende Wertschätzung und Dankbarkeit für dein Tun und Sein. Und zwar habe ich gerade eine neue Kekssorte von dir zu meinem Espresso probiert- die „Anis Mandel Cantuccini“. Gestern Abend gebacken, heute probiert 🙂 und wieder einmal so erfreut über deine feine genussvolle Art, gesünder zu geniessen. So danke dafür!! So oft habe ich das mit deinen Rezepten schon erfahren. Und auch ich bin seit vielen vielen Jahren in dieser Art unterwegs, 10 Jahre davon waren auch beruflich…Und es ist so eine Bereicherung und Erweiterung, wenn jemand im selben Geist tut und kreiert! Und die selben alternativen Produkte, wie Ahornsirup und Kokosblütenzucker statt nur Xylit, dies und das für Ei… statt Soyaprodukte, und das schöne Mandelmus und Kokosfett und die schöne abgeriebene Zitronenschale so oft bevorzugt- wunderbare Überschneidungen in deiner und meiner Art zu backen und zu kochen. So ein Glück! Weil das oft anders und dann nicht so mein Ding ist :))
    Drei deiner/eurer Bücher sind hier bei mir/bei uns, unter anderem die beiden kleinen Weihnachtskeksbücher- und die habe ich schon mehrmals an andere Menschen verschenkt, weil sie die Kostproben so lecker fanden.
    Und ich liebe deine Liebe, die ich in allem spüre, in den Texten, in den Fotos, in den Büchern und im Blog.
    Ich schätze die Selbstliebe, die Sanftheit und die Kraft, und die Authentizität, die ich darin wahrnehme. Das tut mir gut, schenkt mir Freude, Spass, Lebendigkeit, Schönheit und bestärkt mich in meinem Tun und Sein.
    So, das kommt jetzt ziemlich unverschämt durch mich durch, hin zu dir, ich habe Zutrauen, dass du es gut nehmen kannst 🙂 Ich war eben in einer Dankbarkeitschreiberei, was ich sehr gerne vormittags praktiziere und da entstand dieser Impuls so lebendig und kraftvoll in mir, dem ich gefolgt bin…
    Alles Liebe zu dir, von Herzen Silke!

    1. Stefanie Reeb Autor sagt:

      Liebe Silke,

      was für eine schöne Nachricht! Ich danke Dir von Herzen! Was bin ich immer wieder dankbar für die wunderbaren Begegnungen, die ich diesem Blog zu verdanken habe. So wie die mit Dir gerade. Es ist so wertvoll, dieser Austausch zwischen Gleichgesinnten, gerade in Zeiten wie diesen. Das tut richtig gut.

      Einen ganz lieben Gruß
      Stefanie

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