Herzhafte Waffeln (glutenfrei)

Und wie Bücher die Liebe zu mir brachten

Mein ganzes Leben lang liebe ich schon Bücher. Diese Liebe hat viel mit meiner Mutter zu tun, die gern gelesen hat, mir als Kind immer Bücher vorlas und später einen unerschöpflichen Büchervorrat für mich bereit hielt. Als Kind versank ich in den Geschichten meiner liebsten Bücher. Ich las sitzend, stehend, liegend und gehend. Seitdem verging kein Tag, an dem ich nicht gelesen habe. In meiner Familie gab es noch weitere Bücherwürmer, die ihre Leidenschaft bis zum Exzess trieben. Einer davon war mein Großvater, der Heiler, der im selben Haus wohnte wie wir und in jeder freien Minute in seinem Lehnsessel mit einem Buch zu finden war. Die Masse an Büchern, durch die er sich in kürzester Zeit hindurch las, gab er weiter an meine Tante, die sie dann ebenfalls verschlang.

Herzhafte Waffeln

Schon sehr früh fing ich an, eigene Geschichten zu schreiben. Als ich später Design studierte, musste ich mich nach vier Semestern entscheiden, ob ich meinen Abschluss in Produkt- oder Grafikdesign machen würde. Meine Professorin sagte, dass eine große Affinität zum Lesen dafür sprechen würde, Grafikdesign zu studieren. Und das tat ich dann auch. Sobald ich meinen Abschluss in der Tasche hatte, ging ich direkt nach Hause, um mein erstes Buch zu entwickeln. Es sollte ein Kinderkochbuch sein,  und zwar eines mit Rezepten, die die Fantasie von Kindern ansprach und mit Gerichten, die sie ohne elterliche Hilfe selbst herstellen konnten. Ich studierte viele Kinderbücher und hatte den Eindruck, dass ihr Design nicht auf dem neuesten Stand der Zeit war. Ich wollte einen modernen Look entwickeln und einen komplett spielerischen, fröhlichen und unbekümmerten Umgang mit dem Essen erzielen, quasi die Umkehrung des Spruchs „Mit dem Essen spielt man nicht“.

Herzhafte Waffeln

Ich machte mich also an die Arbeit. Es war das Jahr 2002, ich hatte eine Kamera, einen Macintosh, eine billige Wohnung in Berlin und viel Zeit, mich meiner Aufgabe zu widmen. Mein damaliger Freund arbeitete in einer Agentur und wann immer er tagsüber kurz nach Hause kam, fand er mich mit Essen befleckt auf dem Boden vor, wo ich mit Gemüse, Broten oder Cremes „spielte“, um sie für mein Buch zu fotografieren. Als ich einen großen Teil meines Buches fertig gestellt hatte, fing ich an, die Verlage abzuklappern, um ihnen mein Buch vorzustellen. Die Verlagsleute waren begeistert von der Buchidee, tippten dann ein paar Zahlen in ihre Taschenrechner und schüttelten die Köpfe. Das Buch war zu teuer in der Produktion. Ich hatte ein Ringbuch mit Papier- und Folienseiten konzipiert. Die Folien zeigten den Vorher-Nachher-Effekt der Essenszubereitung, waren aber offensichtlich zu kostspielig.

Herzhafte Waffeln

Ich verlor den Mut. Ich ließ das Buchprojekt fallen und bewarb mich bei einer großen Agentur. In den ersten sechs Monaten weinte ich jeden Abend nach der Arbeit, weil es sich so anfühlte, als hätte ich meine Seele verkauft. Dann fand ich mich mit der Situation ab. Ein paar Jahre später nahm ich mein fast fertiges Buch wieder in die Hände. Ich wusste, dass es gut war, trotz aller Widerstände, und ich entschloss mich dazu, es selbst zu verlegen. Es bedurfte noch einiger Feinarbeit, aber dann war es soweit: ich stand neben dem Drucker einer kleinen Druckerei in Potsdam und beobachtete, wie sich mein Buch materialisierte.

Nun war das Buch da und bereit, in die Welt hinaus zu gehen. Es hatte auch einen Namen: „Reim dich oder ich fress dich!“. Ich verkaufte es an hochwertige Kinderläden und an Kunstbuchhandlungen. Ich reichte es bei einem großen Design-Wettbewerb ein und gewann einen Preis. Ich feierte meinen Gewinn in der großen Agentur, die sich mit mir freute. Außer mir hatte noch jemand den selben Designpreis gewonnen. Auch er arbeitete für die große Agentur, und so stießen wir mit einem Glas Sekt auf unsere Bücher an. Das war Thomas – und der Rest ist Geschichte. Unsere Bücher hatten uns zusammen geführt.

Dieses erste, schicksalshafte Buch ist nirgends mehr zu bekommen. Außer in den Kisten, die bei meiner Schwägerin und meinem Schwager stehen, seitdem Thomas und ich unsere 7-jährige Nomadenzeit begonnen hatten (das ist wieder eine andere Geschichte). Danach geriet es in Vergessenheit aufgrund der vielen anderen Bücher, die Thomas und ich zusammen gestalteten. Da dieses Buch aber immer noch ein Herzensprojekt von mir ist und ein wunderbares Weihnachtsgeschenk sein kann, habe ich mich entschlossen, den Rest der Auflage zu verkaufen, siehe hier.

Herzhafte Waffeln

Mein Rezept der Woche

So wie jedes Buch eine Erzählung enthält, so hat auch jedes Rezept seine Geschichte. Das Rezept dieser Woche erzählt von einer Frau, die einen Mann liebt, den die Bücher zu ihr gebracht haben. Dieser Mann ist im Schwarzwald groß geworden und hatte von einer Wahrsagerin erfahren, dass seine Liebe aus einem Ort südlich von Frankfurt stammen würde. Da lebte er bereits in Berlin und traf durch die Bücher eine Frau, die südlich von Frankfurt groß geworden war. Und schon kurze Zeit später schrieb er ihr: ich habe Dir Platz in meinem Kleiderschrank gemacht, komm zu mir. Sie kam und zusammen zogen sie nach Potsdam, nach Nizza, nach Los Angeles, ins Elsass und nach Mallorca. Sie erschufen viele Bücher zusammen. Und da der Mann ein Schwarzwälder im Herzen war, hegte er ein gewisses Misstrauen gegenüber ganz großen Gesten und überschwänglichen Liebesbekundungen. Er mochte es lieber echt und ehrlich und glaubte, dass zu viele Worte die Schönheit des Moments verwischen. Deshalb zeigte die Frau ihre Liebe in kleineren Gesten, wie zum Beispiel einer Berührung, eines Briefes oder einer Mahlzeit, die sie für ihn erfunden hatte. Da der Mann gerne herzhaft aß, gleichzeitig aber Waffeln mochte und glutenintolerant war, entwickelte sie dieses spezielle Rezept für ihn, das er von da an liebte und gerne zum Frühstück oder Abendessen aß. Das ist die Geschichte dieser herzhaften Waffel ohne Getreide (Buchweizen gehört zur Familie der Gräser) und mit viel Gemüse, die solo mit etwas Butter, herzhaftem Aufstrich, gebratenen Pilzen oder einem Stückchen Kochschinken ganz köstlich schmeckt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lesen sie noch heute – und teilen sich eine herzhafte Waffel dabei.

Und nun meine Frage an Dich: liest Du auch so gerne? Und gibt es ein Buch, das Dir besonders viel bedeutet? Dann schreib mir in den Kommentaren unter diesem Beitrag!

Herzhafte Waffeln

Herzhafte Waffeln (glutenfrei)

Portionen 3 Waffeln
Zubereitungszeit 10 Min.
Rezept drucken

Zutaten

So geht's

  • Alle Zutaten glatt miteinander vermischen.
  • Das Waffeleisen mit etwas Olivenöl ausreiben und vorheizen.
  • Den Teig portionsweise in das Waffeleisen geben und backen, bis die Waffel gebräunt ist und sich leicht vom Eisen löst. Dann die nächste Waffel backen.

Wellcuisine-Tipp

Der Teig hält sich gut verschlossen im Kühlschrank ca. 4 Tage. Wer möchte, kann die Waffeln auch backen, abkühlen lassen, gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahren und sie dann im Waffeleisen noch mal aufbacken.
Wellcuisine Stefanie Reeb

Herzhafte Waffeln

Hinterlasse einen Kommentar

  1. Melanie schreibt:

    5 stars
    Liebe Stefanie,

    das Rezept ist mal wieder super!

    Noch ein Tip von mir: man kann die Waffelherzen auch einfrieren und dann ganz schnell im Toaster nochmals aufbacken!

    Ganz viele liebe Grüße
    Melanie

    1. Stefanie Reeb Autor schreibt:

      Liebe Melanie,

      vielen Dank für den super Tipp!

      Liebe Grüße
      Stefanie

  2. Liane schreibt:

    Liebe Stefanie, wie ist es schön, wenn du schreibst. Ich freue mich immer wieder darauf. Ja, ich lese auch sehr gerne. Mal mehr mal weniger. Mein Lieblingsbuch ist ‚Unter dem Tagmond‘ von Keri Hulme. Frag mich nicht warum. Es hat mich einfach angesprochen/berührt und ich hab es schon mehrmals gelesen.
    Liebe Grüße Liane

    1. Stefanie Reeb Autor schreibt:

      Liebe Liane,

      danke Dir für Deine Nachricht und Deine liebe Rückmeldung! Deinen Buchtipp habe ich mir notiert, ich werde das Buch lesen!

      Liebe Grüße
      Stefanie

Schreibe einen Kommentar

Deine Mail wird nicht veröffentlicht

Rezeptbewertung




Schließen
© 2022 Wellcuisine, Stefanie Reeb