Flower Power-Focaccia

Und die Geschichten der wilden 70er

Als Kind der 70er Jahre bin ich in einem Zuhause mit Prilblumen im Bad, Schlaghosen und lauter Schallplattenmusik von Pink Floyd und Free Jazz von Miles Davis groß geworden. Mit letzterem spielte mein Onkel öfters Konzerte, denn er war ein bekannter Jazz Bassist und hatte die meisten Gigs in Madrid und Barcelona, weshalb er mit meiner Tante nach Spanien zog. Als meine Eltern noch kindlos waren, verbrachten sie die Sommer oft in Barcelona und teilten sich ein Pensionszimmer im Rotlichtviertel mit meiner Tante und meinem Onkel. Mein Onkel spielte von 2 bis 5 Uhr Nachts in verschiedenen Clubs, danach wurde mit Poker im Hotelzimmer gezockt.

Focaccia

Geschehnisse aus jener Zeit prägten für immer unsere Familiengeschichten. So auch der Abend, an dem mein Onkel rückwärts vom Barhocker fiel und nicht mehr aufstand. Im nachhinein ist es verstörend, dass sich zunächst niemand um ihn kümmerte, da alle dachten, er würde einen Witz machen. Als klar wurde, dass der Witz Ernst war, wurde meine Tante hysterisch und schrie die gesamte Bar zusammen: „Er ist tot! Er ist tot!“ Daraufhin kam mein Onkel ins Krankenhaus, wo bestätigt wurde, dass er nicht tot sei. Als dieser Umstand auch meinem Onkel klar wurde, ergriff er spontan die Flucht. Was solls, dass es mitten in der Nacht war und er ein Krankenhausnachthemd trug, das hinten offen war. Er schlug sich zu Fuß zurück ins Hotel, wo schon die nächste Pokerrunde auf ihn wartete.

Elke und Herbert Reeb

Bild oben: Meine Eltern Elke und Herbert

Meine Eltern galten als große Musikliebhaber, was viele langhaarige Musiker aus ganz Europa, die gerade in unserer Stadt Halt machten, als Einladung zu einem Sit-In in unserem Wohnzimmer verstanden. Ich erinnere mich noch gut an drei britische Musiker, die eines Tages vor unserer Tür standen, wortlos eintraten, sich auf unserem Cordsofa installierten und drei Tage nicht mehr gingen. Nachdem sie alle Weinflaschen meiner Eltern geleert hatten, verschwanden sie genauso lautlos wie sie gekommen waren.

Blumen-Focaccia

Meine Eltern umarmten oder probierten zumindest alles, was die 70er Jahre hergaben. Freie Liebe, Drogen, Exzesse, Musik, stundenlange Diskussionen, Jack Kerouac, Sartre, Simone de Beauvoir. Später, als ich älter war, erzählten sie mir genauso offen über ihre Erlebnisse, beziehungsweise tat das meine Mutter, da mein Vater die 70er Jahre nur ganz knapp überlebte. Er starb im Jahr 1981. Ich liebte meine Eltern immer für ihre Offenheit und Neugier, die sie in jener Zeit zusammen ausgelebt hatten. Und so wurden ihre Geschichten auch zu meinen, die meine Sehnsucht nach Freiheit und Freigeistigkeit geprägt haben. So lange meine Mutter lebte, erzählte sie mir die lustigen, traurigen, spannenden und absurden Geschichten aus der Flower Power Zeit. Und jetzt, wo sie nicht mehr da ist, leben sie in mir weiter – und ich erzähle sie Dir.

Stefanie Reeb

Mein Rezept der Woche

Unsere Retreat-Saison startet nächste Woche, die Menüs sind geschrieben und ein paar letzte Rezepte entwickelt. So auch dieses Flower Power-Focaccia, das ich im Rahmen eines Herbstmenüs servieren möchte. Es erinnert mich an die Salzteigbilder meiner 70er Jahre Kindheit und ich finde, es macht schon beim Anschauen fröhlich. Beim Dekorieren kannst Du Dich an meinem Vorbild orientieren oder Deiner Kreativität freien Lauf lassen.

Blumen-Focaccia

Welche Beläge eignen sich am besten für Flower Power-Focaccia?

Rote Zwiebeln – dünn geschnitten für Blumen

Mini-Paprikaschoten – vertikal geschnitten (damit sie rund bleiben), für kleine Blumen

Schnittlauch – für Blütenstiele

Frühlingszwiebeln – für Blumenstiele oder Algen

Petersilie – für Blätter

Basilikum – für Blätter oder Algen

Kirschtomaten – Der Länge nach halbiert für Blumenzentren

Kapern – für Samenkapseln

Rosmarin oder Thymian – für kleine Pflanzen

 

Focaccia

Flower Power-Focaccia

Portionen 1 Focaccia
Zubereitungszeit 20 Min.
Warte- und Backzeit 1 Std. 20 Min.
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So geht's

  • Hefe in eine Schüssel mit lauwarmem Wasser und Ahornsirup bröckeln und gut vermischen. 5 Minuten ruhen lassen. Es sollten kleine Blasen auf der Oberfläche erscheinen.
  • Das Mehl in eine große Schüssel geben, mit dem Salz mischen und eine Kuhle in der Mitte formen. Die Hefemischung in die Kuhle füllen und 3 Minuten zu einem glatten Teig verkneten.
  • Den Teig zur Kugel formen, mit etwas Mehl bestäuben, die Schüssel mit einem sauberen Küchentuch oder Klarsichtfolie abdecken und den Teig an einem warmen Ort 1 Stunde gehen lassen.
  • Den Backofen auf 220 °C Ober- und Unterhitze vorheizen.
  • Ein Backblech mit Backpapier auslegen und den Focaccia-Teig mit den Händen in eine ovale Form bringen. Der Teig sollte ca. 2–3 cm hoch sein.
  • Die Frühlingszwiebel der Länge nach in Streifen schneiden. Lange Streifen aus der Paprika schneiden. Kirschtomaten in Hälften schneiden. Rosmarinnadeln vom Zweig ziehen. Alle Zutaten verwenden, um Blumen oder einen Baum auf der Oberfläche des Focaccias zu formen.
  • Mit den Fingern ein paar kleine Kuhlen in den Teig bohren. Die Oberfläche mit Olivenöl beträufeln. Mit Fleur de Sel bestreuen.
  • 20 Minuten backen.
Wellcuisine Stefanie Reeb

Thomas Leininger und Stefanie Reeb

Kinder der 70er: Thomas und ich

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  1. Liebe Stefanie, diese Jahr kann ich leider nicht in Dein Retreat kommen, aber nächstes Jahr plane ich es unbedingt ein – es hört sich wunderbar an!

  2. Daniela Sylvia Vogler schreibt:

    Liebe Stefanie, was für eine tolle Geschichte und Danke, dass Du sie mit uns teilst! Danke auch für die leckeren und liebevollen Rezepte.
    Ich liebe die 70iger und mein Motto war schon immer Love and Peace! Beim nächsten Retreat 2023 bin ich auf jeden Fall dabei, da freu ich mich jetzt schon drauf. Wenn die Planung steht, bitte Bescheid geben. Vielen Dank , Love and Peace für Dich und allen Menschen. Daniela Vogler aus Lindau

  3. Stefan schreibt:

    Ihr Lieben, das ist ein spitzen Foto von Euch. Focaccia zum Frühstück ist so wunderbar italienisch, herrlich.
    Liebe Grüße, Stefan

  4. Monika Witte schreibt:

    5 stars
    Liebe Stefanie, danke fürs Rezept und die coolen Bilder, die Du mit uns teilst. Ich gehöre zu der Generation (wie deine Eltern), die diese Zeit miterlebt und in vollen Zügen genossen hat. Es gab nie wieder eine Zeit, die junge Menschen so mitgerissen hat. Ich erinnere mich an Ferien Ende der 60er am Mittelmeerstrand von Italien. In der Gruppe waren Düsseldorfer Statisten von dem Musical Hair, die Ihre Rolle einübten. „Let the sunshine in“ habe ich dann gleich wieder im Ohr – und das nach 55 Jahren mit einer gewissen Sehnsucht. Die ganze Gruppe bekam Freikarten für die Premiere. Einfach unvergesslich! Mehr am Montag – Andrea, schade dass Du nicht dabei bist – herzliche Grüße
    Monika
    Freue mich auf Flower-Power-Foccacia

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