Senfeier

Die Kunst des Lebens und des Kochens

Als ich vor Jahren eine wichtige berufliche Entscheidung treffen musste, habe ich mich nicht gefragt, was ich tun soll sondern wer ich wirklich bin. Nämlich was mich antreibt, was mir Freude macht, was meine Begabung ist. So erhoffte ich mir, eine Antwort darauf zu finden, ob ich ein wichtiges und langfristiges Projekt angehen sollte oder nicht. Ich hatte in meinem ursprünglichen Beruf als Designerin für Branding-Projekte häufig mit den Archteypen nach Carl Gustav Jung gearbeitet. Sie bestehen aus 12 menschlichen Urtypen wie zum Beispiel dem Narr, dem Herrscher, dem Weisen etc. Ich fragte mich, welchem Archetyp ich vom Wesen her am meisten entspreche. Die Antwort fiel mir leicht: es musste der Archetyp der Schöpferin/ Künstlerin sein. Künstlerischer Ausdruck, das Entwickeln von Visionen und eine innovative Herangehensweise haben mich schon immer angetrieben und mich mit Energie und Neugierde erfüllt. Diese Einsicht half mir damals, eine Entscheidung zu treffen, denn die Realität des betreffenden Projekts hätte nur einen minimalen kreativen Anteil gehabt und dafür einen Riesenanteil an Disziplin, Strategie und Planung erfordert. Ich wusste, dass ich damit nicht dauerhaft glücklich werden würde.

Senfeier

Egal was wir tun und entscheiden, es hilft immer, unsere eigene Natur zu berücksichtigen. Denn wenn wir (an-)erkennen, wer wir wirklich sind, was uns antreibt und uns mit Freude und Energie erfüllt, dann können wir unser Leben Schritt für Schritt darauf ausrichten und so in Harmonie mit unsere Umwelt UND in innerer Balance leben.

Heißt das, dass wir manch scheinbar verlockendes Angebot ausschlagen müssen? Natürlich! Heißt das, dass wir Entscheidungen treffen müssen, die zunächst keiner außer uns versteht? Na klar! Bedeutet das, dass wir die Stimme unserer Eltern, unserer Lehrer und unserer Gesellschaft ausblenden müssen, um nur noch die Stimme unseres Selbst zu hören? Selbstverständlich! Müssen wir manch kurzfristigen Erfolg aufgeben zugunsten nachhaltiger Erfolge? Auf jeden Fall. Ist das immer einfach? Nein, macht auf lange Sicht aber glücklich. Denn was wäre die Alternative? Ein Leben, das nicht zu uns passt, wie ein schlecht sitzender Anzug, der überall zwickt und drückt.

Oder wie Frank Zappa sagte: 

„If you end up with a boring, miserable life because you listened to your mom, your dad, your teacher, your priest, or some guy on television telling you how to do your shit, then you deserve it.“ 

(frei übersetzt: „Wenn Du am Ende ein langweiliges und unglückliches Leben führst, weil du immer auf deine Mutter, deinen Vater, deinen Lehrer, deinen Pfarrer oder einen Typen im Fernsehen gehört hast, die dir sagen wollten, wie du deinen Scheiß erledigen sollst, dann geschieht es dir recht.“ Frank Zappa)

Mein Rezept der Woche

Beim Entwickeln von Rezepten hat mich schon immer interessiert, neue, kreative Wege zu gehen. Vielleicht ist das der Grund, warum ich nie eine formale Koch-Ausbildung gemacht habe. Ich wollte einfach meine eigenen Erfahrungen machen und möglichst wenig beeinflusst werden. Und als ich noch vor wenigen Jahren gelernte Köche in Fernseh-Sendungen sagen hörte, man könne keine glutenfreie, vegane Patisserie machen, die wirklich gut schmeckt, habe ich gelacht und bin in die Küche gegangen, um genau das zu tun. Für mich war Kochen, Backen und das Entwickeln von Rezepten schon immer vergleichbar mit der Arbeit an einem Kunstwerk. Meine Küche ist mein Atelier, die Zutaten die Farben und Materialien und das fertige Essen ist das Kunstwerk.

Und wenn mich später jemand fragt, wie ich auf die Idee für dieses oder jenes Rezept kam, dann weiß ich es meistens nicht mehr. Kreative Arbeit entwickelt sich lebendig, nicht immer linear und im nachhinein oft nicht mehr nachvollziehbar. Im Rezept dieser Woche ist der Star die unglaublich leckere Senf-Sauce. Wie ich ursprünglich darauf kam, gekochte Zucchini als Basis zu verwenden (wie bei meiner Sauce Hollandaise, die ich sehr liebe), weiß ich nicht mehr, aber ich weiß, dass die Idee gut war. Denn die Sauce schmeckt wie eine klassische Sauce aus der guten französischen Küche, ist dabei viel gesünder und absolut gelingsicher. Zusammen mit hart gekochten Eiern und Pellkartoffeln entsteht so eine wunderbare Art von Wohlfühlgericht, das man auch an einem regnerischen Tag in einem Atelier in Montparnasse zusammen mit seinem Liebhaber von einem gemeinsamen Teller essen könnte. Oder man isst es einfach in der eigenen Küche zu Hause und erfreut sich am Kunstwerk seines Essens, das man gerade zubereitet hat, wie ein Aktionskünstler, der nur für diesen Moment sein Werk erschafft und dessen Vergänglichkeit genauso feiert wie sein Entstehen. Es lebe die Kunst und das Leben!

Und nun meine Frage an Dich: Hast Du schon mal Senfeier gegessen? Und was ist Dein innerer Antrieb/dein Archetyp, der Dich leitet und Dich glücklich macht? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unter diesem Beitrag!

Senfeier

Portionen 2 Personen
Zubereitungszeit 30 Minuten
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Zutaten

Für die Kartoffeln:

  • 500 g festkochende Kartoffeln

Für die Senfsauce:

  • 400 g Zucchini
  • 80 g Butter alternativ: Olivenöl
  • 2 Schalotten geschält und gehackt
  • 50 ml Wasser plus mehr nach Bedarf
  • 2 EL Dijon-Senf
  • 1 EL Ahornsirup
  • 2/3 TL Salz
  • 2 TL körniger Senf

Für Eier und Garnitur:

  • 4 Eier
  • 1 TL gehackter Schnittlauch alternativ: Estragon

So geht's

  • Die Kartoffeln in Salzwasser gar kochen, danach abgießen und schälen.
  • Für die Senfsauce: die grüne Schale der Zucchini mit einem Sparschäler entfernen. Die Zucchini klein würfeln. Butter in einer Pfanne erhitzen und die gehackten Schalotten darin anschwitzen. Gewürfelte Zucchini hinzufügen und unter Rühren anbraten. Mit Wasser ablöschen. Dijon-Senf, Ahornsirup und Salz hinzufügen (der körnige Senf wird noch nicht hinzugefügt) und 5-7 Minuten köcheln lassen, bis die Zucchini weich ist. In einen Standmixer geben und fein pürieren, bis eine seidige Sauce entsteht. Gegebenenfalls mit etwas mehr Wasser auf die gewünschte Konsistenz bringen. In einen Topf geben und den körnigen Senf unterrühren
  • Die Eier einpieksen und 8 Minuten (nicht ganz) hart kochen.
  • Kartoffeln zusammen mit den Eiern und Sauce auf Tellern anrichten und mit Schnittlauch oder Estragon bestreut servieren.
Wellcuisine Stefanie Reeb

Hinterlasse einen Kommentar

  1. Friedrich bauer schreibt:

    Liebe Stefanie, als ich Dein Rezept für Senfeier gesehen habe, dachte ich, ich trau meinen Augen nicht.
    Senfeier gabs bei uns über 15 Jahre bestimmt 2 x im Monat, weil es die Kinder so geliebt haben. Seit die Kinder aus dem Haus sind, hat die Frequenz abgenommen. Aber ich werde ein Revival vorschlagen mit Zucchini, nach Deinem Rezept- das hatten wir in all den Jahren nicht. Liebe Grüße Friedrich

    1. Stefanie Reeb Autor schreibt:

      Lieber Friedrich,

      wie schön! Dann wünsche ich Euch ganz viel Spaß mit dem Senfeier-Revival mit Zucchini!

      Viele liebe Grüße
      Stefanie

  2. Ute Willersinn schreibt:

    Liebe Stefanie, welche Freude zum Einläuten des Wochenendes Deine Gedanken zu lesen, danke! Ich fühle mich gestärkt von unsrer Woche und habe bisher- durchaus kreativ ..- unseren breathwalk täglich einbauen können und fühle mich wach und zufrieden. Liebe Grüße Euch beiden nach Mallorca, Ute

    1. Stefanie Reeb Autor schreibt:

      Liebe Ute,

      wie schön, von Dir zu lesen! Ja, unsere Retreat-Woche war wunderbar und es hat so viel Freude gemacht, sie mit Dir und Maike und allen anderen zu verbringen. Toll, dass Du den Breathwalk seitdem täglich machst! Das freut mich sehr!

      Einen ganz lieben Gruß
      Stefanie

  3. Annegret Schwarz schreibt:

    Liebe Stefanie, was für eine inspirierende Philosophie Du lebst. Jedes Wort klingt in mir wieder.
    Ich bin wohl auch eine Art Künstlerin mit Weisheit. Bin immer noch tief berührt von der Zeit auf Mallorca.
    Senfeier ist ja wohl ein typisches Leibgericht grad hier in und um Berlin. Und nun gibt es eine viel leichtere Soße. Herzlichen Dank für Deine Kreativität.
    Alles liebe Annegret

    1. Stefanie Reeb Autor schreibt:

      Liebe Annegret,

      danke für Deine liebe Nachricht! Ich freue mich so sehr, dass wir uns auf unserem Retreat kennengelernt haben! Du bist auf jeden Fall eine Künstlerseele.

      Alles Liebe
      Deine Stefanie

  4. Monika Witte schreibt:

    5 Sterne
    Liebe Stefanie, im westfälischen haben wir das „Russische Ei“ mit kleingehackten Gewürzgurken. Mein Lieblingsrezept als ich Kind war. Heute gehört es immer noch zu unserem Speiseplan. Gern probiere ich deine Variante – bei uns es es allerdings der scharfe Löwensenf, der auch aus Westfalen kommt, für die gewisse Würze.
    Danke für deinen inspirierenden Text, den ich immer wieder gern lese. Dein Motto passt zu folgendem Spruch, den ich grad gestern an unseren Sohn geschickt habe, der nach Österreich auswandert, um sich beruflich zu verändern und um seinem Traum zu leben – die Berge: „Wenn der Weg, den Du gehst, schön ist und dich glücklich macht, dann frag nicht, wohin er dich führt, sondern geh ihn einfach.“ Dieses Motto hat mich glücklich und zufrieden durch Leben geführt. Ich wünsche allen einen guten Start in die Woche.
    Herzlichst
    Monika

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