Curry-Cracker
Und was die Seele nährt

Ich weiß, ich weiß, die Adventszeit naht und mit ihr alle Arten von Süßigkeiten. Zimtsterne, Lebkuchen und Kokosmakronen füllen jetzt schon die Regale im Supermarkt und bald auch unsere Keksdosen und Bäuche. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, hatte ich diese Woche Lust auf einen herzhaften Snack. Einen mit Currypulver und leichtem Zwiebelgeschmack, der schön knuspert beim Reinbeißen. So wie diese Curry-Cracker. Denen sieht man sofort an, dass sie selbstgemacht sind, weil sie unregelmäßig geformt sind und irgendwie unperfekt aussehen – und genau das finde ich so schön an ihnen. Selbstgemachte Dinge, denen man die Handarbeit ansieht, machen mich immer glücklich. Sie wirken wie ein liebevoller Akt der Revolution in einer Welt, die so viel Wert auf Perfektion und Normung legt. Perfektion kann kalt und langweilig sein, weil sie keine Seele hat. Das Unperfekte und Unregelmäßige hingegen lässt die Seele spürbar werden, lässt sie atmen. 

 

 

Im Angesicht der Seele fühlen wir uns automatisch glücklicher und erfüllter. Die Seele hat nie eine glatte Oberfläche. Sie hat Öffnungen und Risse, durch die wir in die Tiefe blicken können. Und aus der Tiefe der Seele kommt unsere wahre Nahrung genauso wie die Nahrung eines Baums aus der Tiefe der Erde kommt. Ein Baum mit beschnittenen Wurzeln ist instabil und schlecht genährt. Ein Mensch, der nicht aus der Tiefe der Seele schöpft, fühlt sich energielos, ausgebrannt und pessimistisch. Deshalb glaube ich fest daran, dass wir selbst für die kleinen Risse in der Leinwand unseres Lebens sorgen sollten. Indem wir bereit sind, unperfekt zu sein und das auch zuzugeben. Indem wir bereit sind, uns so zu zeigen wie wir sind und anderen damit Mut zu machen, das selbe zu tun. Und indem wir die kleinen, wahrhaftigen Momente und Dinge für das schätzen, was sie sind: echte Seelennahrung. 

 

 

Mein Rezept der Woche

Curry-Cracker bestehen grundsätzlich aus Dinkelmehl, Wasser und Olivenöl. Der Rest sind die Gewürze. Das Currypulver gibt ihnen die schöne gelbe Farbe, die sie zu einem sonnigen Gute-Laune-Snack macht. Mir schmecken sie gut solo, aber wer möchte, kann sie zusammen mit Rohkost und Käse servieren. 

 

Und nun meine Frage an Dich: Machen Dir echte, handgemachte Dinge mit Seele auch so viel Freude? Was hat Dich zuletzt glücklich gemacht? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unter diesem Beitrag!

 

 

 

Curry-Cracker

Weizenfrei, vegan, zuckerfrei

 

Für 2 Backbleche Cracker:

 

Für den Teig:

  • 200 g Dinkemehl, Type 1050
  • 2 TL Currypulver
  • 1 TL Zwiebelpulver
  • 1 Prise Chili (optional)
  • 3/4 TL Salz
  • 150 ml Wasser
  • 100 ml Olivenöl

 

Zum Bestreuen:

  • 2/3 TL Fleur de Sel
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

 

 

Den Ofen auf 180 °C Ober- und Unterhitze vorheizen.

 

Alle Zutaten für den Teig in eine Schüssel geben und sorgfältig verrühren.

 

Ein Backblech mit Backpapier auslegen und Portionen in der Größe eines 1/2 EL auf das Papier löffeln und mit befeuchteten Händen flach drücken. Der Teig ist etwas widerspenstig, deshalb ordentlich drücken und strecken, bis der Teig möglichst dünn ausgestrichen ist. Wenn dabei keine perfekt runde Crackerform herauskommt: Macht doch nichts! Daran sieht man, dass die Cracker handgemacht sind. 

 

Mit Fleur de Sel und frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer bestreuen und ca. 13–15 Minuten backen, bis die Cracker leicht gebräunt sind. Lieber etwas zu lang als zu kurz im Backofen lassen, so dass die Cracker schön knusprig werden. 

 

Anschließend die zweite Portion backen.

 

Zeitaufwand:
10 Minuten Zubereitung
15 Minuten Backzeit

20. November 2020

9 Kommentare zu “Curry-Cracker

  1. Liebe Stefanie,
    mit einem Beitrag sprichst du mir aus der Seele. Deshalb habe ich mich auch beruflich der Puppenmacherei verschrieben und ermutigen die Teilnehmerinnen meiner Puppennähkurse immer sehr, der Intuition ihrer Hände und dem Schönheitssinn ihrer Seele zu vertrauen anstatt sich an Perfektion und festen Vorstellungen, wie es werden soll, festzubeißen.
    Vielen Dank für deine tollen Beträge hier, die stets mehr sind als nur ein Rezept.
    Liebe Grüße aus Berlin,
    Maria

  2. Liebe Stefanie,
    danke für das tolle Rezept – wird in Kürze ausprobiert. Ja, die selbstgemachten Dinge sind in der jetzigen chaotischen Zeit ein Balsam für die Seele. Ich backe seit einigen Monaten vieles mit Sauerteig – auch Kuchen – woran ich mich früher nicht so recht getraut habe. Und meine Nachbarn sind begeistert, die Backwaren werden nie alt :-). Es bringt Freude, frisches Brot aus dem Ofen zu holen. Und zuzusehen, wenn z. B. eine junge Frau aus Ghana spontan reinbeißt und strahlend erklärt, wie gut es ihr schmeckt. Hier wandern immer Teller hin und her – unsere kleine Häusergruppe ist wirklich multi-kulti und alles wird geteilt. Das ist für mich Freude und es macht mich glücklich. Schönes Wochenende!

  3. Merci Stefanie für diese wunderbaren Gedanken und das köstliche Rezept! Da sprichst du mir wirklich aus dem Herzen, nicht umsonst widme ich mich schönen Papierkreationen. Herzliche Grüße von Kristina

  4. Liebe Stefanie,
    Vielen Dank für Deine Nachricht und das Rezept. Ich backe gerade Vollkornbrot mit Nüssen und gestern habe ich Deine Mandel Kekse gebacken. Die habe ich etwas verändert und Weihnachtsgewürze reingetan. Die schmecken sehr lecker, weil sie nicht so süß sind, wie gekaufte. Und das macht mir Spaß und macht mich glücklich, wenn es meinen Mann schmeckt. Ein schönes Wochenende für Dich und Deine Familie. 😊
    Bea aus Hamburg

  5. Liebe Stefanie, dein Rezept klingt super. Ob das auch mit Kichererbsenmehl funtioniert?
    Ich habe gestern von einer Bekannten selbstgemachte Marmeladen geschenkt bekommen, weil ich ihr ein paar Gartendeko-Objekte getöpfert habe. Solche Sachen machen mich glücklich: selber etwas mit Herzblut erschaffen und ebensolche Dinge bekommen. Zu jeder Zeit so wertvoll.
    Ein schönes Wochenende für dich und liebe Grüße aus dem Harz von Martina

  6. Liebe Stefanie, die sind ja großartig! Wir haben sie gleich zum Abendbrot mit Grünkohl Chips genossen perfekte (unperfekte) Einleitung des Wochenendes. Sie erinnern mich etwas an deine Olivenöl cracker aus deinem ersten wellcuisine Kochbuch. Ich liebe sie jetzt schon. Und ganz ehrlich: ich dachte, da bleibt was übrig. Weit gefehlt,)
    Die Erkenntnis, dass selbstgemachtes eben nicht perfekt sein muss, habe ich leider noch nicht so lange (hilft mir jetzt aber sehr beim Häkeln meiner Granny Square Decke,) Ich verschenke auch sehr gerne Selbstgemachtes und stehe unterdessen selbstbewusst zu den Ecken und Kanten, sei’s genäht, gebacken etcpp.
    Ganz herzlichen Dank für dein wunderbares Rezept, das ich gleich schon wieder machen könnte, deine Barbara

  7. Liebe Stefanie,

    selbergemachte Dinge sind, so unperfekt sie auch sind, immer etwas Besonderes. In selbergemachten Dingen – völlig egal, was es ist – stecken vor allem viel Zeit, Herzblut und viel Persönlichkeit. Gerade deswegen sind selber gemachte Dinge so unheimlich wertvoll.

    Deine zweite Frage, wann wir das letzte Mal glücklich waren, könnte zeitlich nicht besser passen. Ich persönlich durfte nämlich erst kürzlich am Freitag, 13.11., den für mich in diesem Jahr glücklichsten Moment erleben. Und zwar den Moment, in welchem mir „mein“ Orthopäde nach einer erneuten Röntgenkontrolle die Botschaft überbrachte, dass mein Schlüsselbeintrümmerbruch (der Anfang September noch fast keine Anstalten machte, zusammenzuwachsen) nun in der Zwischenzeit zu 80% geheilt ist und ich dadurch weder Stoßwellen noch eine weitere, dieses Mal große OP benötige. Im Gegenteil: wir haben nun sogar schon besprochen, dass das viele Material in wenigen Monaten sogar schon wieder entfernt werden kann. Diese Nachricht selbst hat mich bewegt. Der Arzt hat sich ehrlich gefreut, weil er mich nun nicht mit Stoßwellen quälen muss. Sehr gerührt hat mich aber auch die anschließende Erfahrung, wie viele liebe Menschen mit mir mitgelitten und sich angesichts dieser Nachricht so richtig und ehrlich mit mir gefreut haben.

    Zu Deinem Rezept: die Cracker sind extrem lecker und jedes einzelne Stück ein Unikat. Ich habe sie gestern gleich ausprobiert und versuche demnächst eine Variante mit geräuchertem Paprikapulver anstelle des Currypulvers.

    Viele liebe Grüße an Dich und an Thomas und habt einen guten Wochenstart,

    Manuela

  8. Hallo liebe Stephanie,
    ja es muss nicht immer süß sein und dieses Rezept klingt verlockend lecker. Ich muss zugeben, dass wir soviel in den letzten Monaten gebacken haben, dass ich gar nichts Süßes mehr will.
    Kurze Frage noch: hast Du eine Empfehlung für ein glutunfreies Mehl? Vielleicht Reis und Buchweizenmehl gemischt?
    Herzliche Grüße aus Freiburg, Ariane

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. Wir versichern Dir, dass Deine Daten streng vertraulich behandelt und nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben werden.