Ketchup
Und die Sicht der Seele

Der Start in dieses Jahr war sehr hart für mich (für mehr Infos lies hier und hier). Ich habe meine Mutter in ihren letzten Lebenstagen begleitet und vermisse sie seit ihrem Tod sehr, auch wenn ich oft genug spüre, dass sie nicht wirklich „weg“ ist. Aber sie ist eben physisch nicht mehr da, um mit ihr stundenlang am Telefon über das Leben zu quatschen, mich mit ihr über Ernährung und alternative Heilmethoden auszutauschen, mit ihr im Café zu sitzen oder einen Stadtbummel zu machen. Eben all die Dinge, die wir so gerne miteinander geteilt haben. Bei einem so großen Verlust hat man meiner Meinung nach nur zwei Möglichkeiten: entweder aus der sehr menschlichen Perspektive all das wahrzunehmen, was fehlt, oder aus der Perspektive der Seele zu schauen, was noch da ist. Bei mir ist das in der Regel ein steter Wechsel. Aber ohne die Seelenperspektive wäre alles unvergleichlich härter und schmerzlicher. Wenn ich auf unseren Retreats Yoga unterrichte, dann sage ich häufig, dass das, was wir auf der Matte lernen nicht am Ende der Matte aufhört, sondern weit darüber hinausgeht. Noch nie habe ich diese Wahrheit mehr gespürt als in diesem Jahr. Yoga bedeutet schließlich die Einheit von Körper und Seele. Im Yoga und in der Meditation ergründen wir die Seele, so dass es im Alltag leichter fällt, ihre Stimme zu hören. Und diese Stimme war und ist mein Rettungsanker, in der Zeit des Abschieds von meiner Mutter und an jedem Tag danach. 

 

 

Von der Seele aus zu leben bedeutet, im Moment zu sein und zu akzeptieren, dass wir da sind, wo wir sind, ohne Wenn und Aber. Eine Freundin nannte das kürzlich „radikale Akzeptanz“. Wer meint, diese Haltung bedeute Stillstand liegt völlig falsch. Denn die Akzeptanz des Moments ist ein Beschleuniger für alle Arten von Entwicklungen. Denn wenn wir ganz im Moment ankommen, dann hören wir auf, unsere lange eingeübten Geschichten zu erzählen, die oft genug dazu führen, dass alles bleibt wie es ist. Der Moment kann unsere Rettung sein, egal wie schwer die Situation. Denn wenn wir unsere Geschichte kurz vergessen und uns jetzt, in diesem Moment, fragen, wie es uns geht, dann müssen wir ganz oft wahrheitsgemäß antworten: „eigentlich ganz gut“. 

 

 

Mein Fokus in diesem Jahr ist es also, noch viel mehr im Moment zu leben, die kleinen Dinge des Lebens zu genießen und die Menschen und Tiere um mich herum wertzuschätzen. Dazu gehört für mich auch, für ein gutes Umfeld zu sorgen, das diese gewisse „Cozyness“ ausstrahlt (entschuldige den Anglizismus, aber das englische Wort sagt es irgendwie besser als das deutsche „Gemütlichkeit“) und in dem ich mich eingebettet und gut fühlen kann. Dazu gehört auch gutes Essen, das Seele und Körper nährt und das dieses ganz bestimmte Wohlgefühl auslöst.

 

 

Vielleicht ist es absurd, vom Tod zur Seele und dann direkt zum Ketchup zu kommen. Vielleicht aber auch nicht. Denn ein guter Ketchup gehört für mich zu den Dingen, die mich im Moment ziemlich glücklich machen. Bestimmt hat es viel mit frühesten Kindheitserinnerungen zu tun, in denen ich im Restaurant Pommes mit Ketchup gegessen habe und dachte, dass es das beste Essen auf dieser Erde ist. Aber manchmal denke ich das heute noch, nämlich wenn ich mit meinem Mann im Garten sitze, die Sonne gerade untergeht, die Zikaden zirpen und auf dem Tisch selbstgemachte Ofenpommes mit hausgemachtem Ketchup stehen. Die einen nennen das radikale Akzeptanz, die anderen einen wirklich guten Moment.

 

Und nun meine Frage an Dich: hast Du auch schon Situationen erlebt, in denen die Sicht der Seele Dein Rettungsanker war? Oder hast Du in letzter Zeit einen schönen Moment (mit oder ohne Ketchup) erlebt, der Dich einfach glücklich gemacht hat? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unter diesem Beitrag!

 

 

 

Ketchup

 

Für ca. 200 ml:

  • 400 g passierte Tomaten aus dem Glas
  • 3 EL Apfelessig
  • 3 EL Ahornsirup, Grad A oder C
  • 3/4 TL Salz
  • 1/2 TL Zwiebelpulver
  • 1/2 TL Currypulver
  • 1/3 TL geräuchertes Paprikapulver

 

WELLCUISINE TIPP: wenn Du so gerne Ketchup isst wie mein Mann und ich, macht es gegebenenfalls Sinn, gleich die doppelte Menge herzustellen. 

 

Alle Zutaten in einem Topf vermischen und zum Köcheln bringen.

 

Bei mittlerer Temperatur ca. 45 bis 60 Minuten köcheln lassen, um die Flüssigkeit zu reduzieren. Zwischendurch umrühren, damit nichts anbrennt. 

 

Eine Glasflasche mit einem Fassungsvermögen von 200 bis 250 ml mit kochendem Wasser desinfizieren. Den heißen Ketchup einfüllen, verschließen und 5 Minuten kopfüber stellen (die Flasche kann kopfüber in eine kleinen Topf gestellt werden, damit sie nicht umfällt). 

 

Den Ketchup im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb 2 Wochen verbrauchen.

 

Tipp: Der Ketchup kann auch in eine Kunststoff-Tupperdose gefüllt und tiefgefroren werden. 

 

Zeitaufwand:
ca. 1 Stunde

 

3. September 2021

4 Kommentare zu “Ketchup

  1. Hallo Steffi,
    Total schöne, wahre Worte! Im Moment sein, wenn das so einfach wäre, aber es inspiriert mich immer wieder, es zu lesen!
    Du hast vollkommen Recht, wenn wir öfter im Moment wären, gäbe es gar nicht soviel zu verändern!
    Ich erlebe fast jeden Tag schöne Momente, es fängt schon in der Früh an, wenn ich mit dem Gefühl ausgeruht zu sein aufwache, dann weiter mit einer schönen ayurvedischen Morgenroutine und und und… Am allerschönsten für mich ist das Gefühl, wenn ich mit einem meiner Pferde in die Natur hinausreite und alles auf mich wirken lasse.
    Danke für deine grandiosen Rezepte!
    Auch immer ein schöner Moment, wenn es schmeckt, gesund ist und gut tut.
    Liebe Grüße
    Julia

    • Liebe Julia,

      vielen Dank fürs Teilen Deiner besonderen Momente! Ich kann mir dass gut vorstellen, dass ein Ausritt in der Natur ganz besonders eindrücklich ist und den Alltag für diesen Moment vergessen lässt. Mir geht es in der Natur auch immer gut. Ich kann besser nachdenken und fühle mich verbunden mit meiner Umgebung. Das ist ein wohltuendes Gefühl.

      Viele liebe Grüße
      Stefanie

  2. Liebe Steffi, danke für Deinen Post. Ich glaube, dass Du damit ganz vielen Menschen hilfst, denn schließlich verlieren wir alle irgendwann unsere Eltern und müssen lernen, damit weiter zu leben. Das Gefühl, nicht alleine zu sein, kann helfen, mit dieser Leere und dem Schmerz besser klar zu kommen. Meine Mutter ist 2013 und mein Vater 2015 gegangen. Immer, wenn ich ganz bei mir bin – und das bin ich, z.B. wenn ich mit meinem Hund durch die Natur laufe – dann spüre ich ihre Nähe. Ich habe sie immer bei mir. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass sie mir liebevoll augenzwinkernd kleine Zeichen schicken – manchmal ist es ein Schmetterlingspärchen, das mich auf dem Weg begleitet, manchmal sind es andere kleine Dinge, die mich lächeln lassen und mir ein ganz warmes und sicheres Gefühl geben. Direkt nach dem Tod meiner beiden Eltern habe ich jeweils Mediationsretreats besucht. Das mir geholfen, nach der Aufregung im Außen, wieder in meine Mitte zu kommen. Meine wichtigste und sicherste Erkenntnis aus allem ist: Die Liebe bleibt.

    • Liebe Sabine,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Es tut gut, von Deinem persönlichen Umgang mit dem Tod Deiner Eltern zu lesen. Ich finde auch, dass es tröstet und hilft, wenn wir uns gegenseitig erzählen, wie wir mit solchen schwierigen Erfahrungen wie dem Tod eines geliebten Menschen, fertig werden. Und diese kleinen Momente, wenn wir merken: der andere ist gar nicht wirklich weg – die sind sehr besonders.

      Viele liebe Grüße
      Stefanie

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