Kichererbsenpizza
Und meine Gedanken über Rassismus

Du weißt, dass ich an diesem virtuellen Küchentisch gerne mit Dir über die Themen spreche, die uns gerade am meisten bewegen. Die letzten Tage waren das die rassistischen Entgleisungen in Amerika. Ich habe darüber nachgedacht, wie ich dieses Thema anschneiden soll und welcher Blickwinkel auf die Situation gerade hilfreich sein könnte. Dabei ging mir ein Zitat von Yogi Bhajan nicht aus dem Kopf: „Erkenne, die andere Person bist Du“. In Wahrheit ist das kein Zitat, sondern ein Sutra, was in der yogischen Welt sowas wie „Samen“ bedeutet, den wir in uns „einpflanzen“ und der in uns Wurzeln schlägt, wächst und das Potential hat, unser Leben zu verändern. 

 

 

Ich glaube, dass eins der größten Missverständnisse und gleichzeitig die größte Geisel unserer modernen Welt ist, dass wir uns als Menschen abgetrennt vom Rest des Lebens fühlen und uns NICHT im anderen wiedererkennen. Es ist für uns nicht selbstverständlich, uns in einem großen Zusammenhang zu sehen, der alles Leben umschließt. Vielmehr erleben wir uns als Inseln, die im weiten Ozean aneinander vorbei schwimmen. Die allgemein gültige Sicht auf die Welt und auf uns selbst ist keine ganzheitliche sondern eine, die Ursache und Wirkung meist nicht im Zusammenhang sieht, sondern an den Symptomen herumdoktert (hier könnte ich jetzt eine schöne Abzweigung in den Bereich Gesundheit machen, lasse ich aber, weil es ja gerade um was anderes geht…). Jedenfalls: diese Sicht der Dinge führt zu einem Gefühl der Isolation, der Angst vor allem Fremden und dazu, dass sich Menschen berechtigt fühlen, andere schlecht zu behandeln. Das macht sich nicht nur im „Fremdenhass“ (das Wort sagt doch alles!) bemerkbar, sondern auch im Mobbing in Schulen und auf der Arbeit, in gehässigen Kommentaren in den sozialen Medien und in Aggressionen im Straßenverkehr usw.

 

 

Ich kann mich noch gut an eine Situation auf dem Pausenhof meiner Schule erinnern. Ein Junge hatte einen anderen drangsaliert. Da ging ein Lehrer dazwischen und sagte mit ruhiger Stimme zu dem Drangsalierer: „Was tust Du Dir nur an?“. Dieser Satz ist mir bis heute in Erinnerung geblieben, da er so unerwartet kam und sich gleichzeitig so stimmig anfühlte. Einstein hat mal gesagt, dass es nur zwei Arten zu leben gibt. Entweder so, als wäre nichts ein Wunder. Oder so, als wäre alles eins. Er selbst glaubte an letzteres. Frei nach Einstein würde ich gerne zitieren: „Es gibt nur zwei Arten zu leben. Entweder so, als würde nichts zusammengehören. Oder so, als würde alles zusammengehören.“ Wenn ich in dem Bewusstsein lebe, dass alles zusammengehört, dann erkenne ich mich selbst im anderen wieder und weiß, dass mein Handeln eine größere Reichweite hat und letztlich immer auf mich zurückfällt.  

 

 

Ich glaube, wir brauchen nicht weniger Rassismus – wir brauchen eine neue Art zu leben. Ein Leben, das unsere Verbundenheit anerkennt und den Samen der Zusammengehörigkeit in uns wachsen lässt. Dann ist eine natürliche Konsequenz, dass wir bessere Menschen werden und glücklicher sind – jeder Einzelne und alle gemeinsam. Und erst dann wird der Rassismus verschwinden. Und wir werden zusammen sitzen und uns darüber wundern, wie es ihn überhaupt geben konnte. Und ja, wir – Du und ich – müssen damit anfangen, wir können nicht auf andere warten. Wir müssen Tag für Tag üben, den anderen mit den Augen des Herzens und der Verbundenheit zu sehen. Denn wenn wir es nicht tun, dann werden wir uns spätestens am Ende unseres Lebens fragen, warum wir uns nicht mehr Mühe gegeben haben, die Welt zu verändern und sie ein wenig besser zurückzulassen. Denk dran: der andere bist Du.

 

Zum Rezept der Woche

Wenn Thomas und ich Lust auf Pizza haben, dann bereiten wir meistens einen Boden aus Kichererbsenmehl zu. Denn der ist glutenfrei, geht schnell, funktioniert ohne Hefe, ist gesund und schmeckt gut. In letzter Zeit probiere ich gerne Beläge aus, die nicht aus Tomatensauce bestehen, da diese oft stark säuern, was ich gerade am Abend gerne vermeiden möchte (mehr zum Säure-Basen-Haushalt findest Du in unserem neuen eBook). Einer meiner Lieblinge ist ein Belag aus pürierten Erbsen mit Basilikum, belegt mit dünnen Zucchini-Streifen, Kirschtomaten und Basilikum – das schmeckt frisch und aromatisch. Einen Pizzaboden aus Kichererbsenmehl zu machen ist übrigens kein neumodischer Kram, sondern hat eine lange Tradition im Süden Frankreichs und im angrenzenden Italien. Dort heißt das Kichererbsengebäck dann Socca (Frankreich) oder Farinata (Italien). Als Thomas und ich eine Weile in Nizza wohnten, lernte ich Socca erstmals kennen und lieben und kann es mir mittlerweile aus meiner Küche nicht mehr wegdenken. Hast Du es schon mal ausprobiert?

 

Und nun meine Frage an Dich: Was sind Deine Gedanken zu den Geschehnissen der letzten Tage/Wochen und was glaubst Du, kann jeder Einzelne von uns ändern? Ich freue mich auf Deinen Kommentar unter diesem Beitrag!

 

 

 

Kichererbsenpizza

 

Für 2 Personen:

 

Für den Teig:

  • 250 g Kichererbsenmehl
  • 300 ml Wasser
  • 4 EL Olivenöl
  • 1 EL Zitronensaft
  • 1 TL getrockneter Oregano
  • 1 TL Salz

 

Für den Belag:

  • 230 g Tiefkühlerbsen
  • 1–2 Knoblauchzehen, geschält und grob gehackt*
  • 1 kleine Handvoll Basilikum plus eine Handvoll zum Garnieren
  • 2 EL frisch gepresster Zitronensaft
  • 70 ml Olivenöl
  • 1 TL Salz
  • 1/2 Zucchini
  • 200 g Kirschtomaten

 

*wer rohen Knoblauch nicht gut verträgt, kann ihn mit etwas Olivenöl kurz in einer Pfanne anrösten.

 

 

Alle Zutaten für den Teig mischen (der Teig ist dünnflüssig wie Pfannkuchenteig) und mindestens 30 Minuten ruhen lassen. 

 

In der Zwischenzeit den Belag zubereiten: Die tiefgekühlten Erbsen in eine Schüssel geben und mit kochendem Wasser übergießen. 2 Minuten ziehen lassen, dann das Wasser durch ein Sieb abgießen. Mit Knoblauch, Basilikum, Zitronensaft, Olivenöl und Salz in der Küchenmaschine oder mit dem Pürierstab fein pürieren. Die Zucchini mit einem Spargelschäler in feine Streifen schneiden. Die Kirschtomaten halbieren. 

 

Den Backofen auf 220 °C Umluft vorheizen. 

 

Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen und jeweils eine Hälfte des Teigs darauf geben und mit einem Löffel kreisrund verteilen. Der Teig sollte möglichst dünn sein. Ca. 15–18 Minuten backen, bis der Teig gebräunt und knusprig ist. Zwischendurch die Bleche auswechseln, so dass beide einmal oben und einmal unten im Backofen waren. 

 

Die Pizzaböden aus dem Ofen nehmen, jeweils mit der Erbsencreme bestreichen und mit Zucchinistreifen, Kirschtomatenhälften und Basilikumblättern anrichten und sofort servieren. 

 

Zeitaufwand:
ca. 40 Minuten plus 30 Minuten Wartezeit

 

12. Juni 2020

12 Kommentare zu “Kichererbsenpizza

  1. Liebe Stefanie, liebe Alle,
    danke für eine leckeren Rezepte und deine Gedankenimpulse! Finde gut, dass du das Thema Rassismus hier aufgreifst. Persönlich lerne ich gerade ziemlich viel durch Tupoka Ogette, und hoffe es ist okay, sie hier zu empfehlen. Sie sie hat ein sehr gutes Buch geschrieben „Exit Racism“, das es auch auf allen möglichen Kanälen als Hörbuch gibt. Passend zu dem von dir erwähnten Sutra empfinde ich es als mega wichtig, mich auch mit meinen eigenen rassistischen Anteilen auseinander zu setzen, von denen ich lange glaubte, es gäbe sie gar nicht. Und wenn ich mich in dem Anderen erkennen will, bedeutet es oft, erstmal zuzuhören.
    Mit Hoffnung und lieben Grüßen, Nora

    • Liebe Nora,

      vielen Dank für Deine Empfehlung! Klar ist es okay, passende Bücher oder Autoren hier zu posten! Das interessiert uns doch alle.

      Einen lieben Gruß!
      Stefanie

  2. Liebe Stefanie,
    wieder einmal herzlichen Dank für Deine Anregungen!
    Mir kamen gleich zwei Dinge in den Kopf: einmal die Theorie U von Otto Scharmer. Er sagt (sehr stark verkürzt) dass unsere gesellschaftlichen Ökosysteme drei Abgründe erzeugt haben, weil die Feedbackschleife zwischen den Teilen und dem Ganzen unterbrochen ist. Dies führt zur ökologischen Kluft als Bruchlinie zwischen Selbst und Natur, zur sozialen Kluft zwischen Selbst und dem Anderen und zuletzt zur spirituellen, als Bruch zwischen Selbst und Höherem Selbst. Seine Theorie U bietet Methoden, die Teile und das Ganze wieder zusammenzufügen, indem das System (incl des Selbst), die Möglichkeit bekommt, sich zu erspüren und sich selbst zu sehen. Damit beginnt sich das kollektive Bewusstsein vom Egosystem- zum Ökosystem-Bewusstsein zu verändern, hin von „Ego to Eco“. Großartig.
    Das andere ist ein älteres, kurzes Buch von M.B. Rosenberg (das ohne Giraffe daher kommt 😉 ) „Was Deine Wut Dir sagen will“. Brandaktuell, leider.

    Schön wäre, wenn unsere Schulsysteme sich stärker solcher Impulse annehmen würden. So fangen viele von uns erst spät an, sich damit auseinander zu setzen. Ich werde nicht aufhören zu hoffen, dass es mehr und mehr werden…

    Herzlich, Katrin

    • Liebe Katrin,

      danke Dir für Deinen Kommentar! „From ego to eco“ finde ich auch ein sehr schönes Bild! Und von Rosenberg habe ich auch viel gelernt und finde die gewaltfreie Kommunikation sehr hilfreich.

      Ja, Du hast recht, es müsste bereits in der Schule darum gehen, anders und besser miteinander umzugehen und zu kommunizieren. Hoffen wir, dass die Ereignisse momentan das Bewusstsein dafür wecken.

      Liebe Grüße
      Stefanie

  3. Liebe Stefanie,
    vielen, lieben Dank für Deine anregenden Gedanke und „la Farinata“ Rezept.
    Ich glaube auch, dass die Wirkung von “ getrennt sein Mentalität“- ist die Gewalt, in jeder Form, ob die, gegen deinen nächsten gerichtet ist, oder gegen der anderen Nation, oder gegen den Menschen mit der anderen Haut Farbe.
    Und ich denke mir dabei: es ist doch so leicht anzuerkennen, dass wir alle Brüder und Schwestern sind, die Kinder dieser Erde…
    Das Lied von Eurovision Song Contest 2016 Italy, von Francesca Michielin finde ich zu diesem Thema sehr inspirierend.
    3:17 / 3:18
    LIVE – Francesca Michielin – No Degree Of Separation (Italy) at the Grand Final
    Mit Lichtvollen Grüßen
    Elena

  4. OMG this pizza is so good! Thank you so much!
    As you know I live in America and it has been intense it the last few weeks to say the least but it has been really since our current president (can’t even say his name) took office.
    I wrote a blogpost with my thoughts on the recent events here:
    https://www.advitam.world/post/_isms

    Let me know what you think. 😉
    Love from LA.

    • Hello my dear,

      I’m very happy you liked the pizza!

      Thank you so much for the link to your post! I will read it tonight and let you know what I think for sure.

      Much love to LA
      Stefanie

  5. Liebe Stefanie,
    Danke für diesen schönen und nachdenklichen Beitrag. Auch ein Dankeschön an Nora: auch ich bin sehr angetan von Tupoka Ogettes Buch Exit Rasicm, lerne sehr viel von ihr und auch aus ihren Seminaren, vorallem auch meine eigenen rassistischen Gedanken und Anteile als solche anzuerkennen. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Schritt… für mich jedenfalls – so kann ich wirklich lernen, mein Gegenüber wahrzunehmen. Ich bin auch überzeugt, dass jede* bei sich anfangen muss, dass es hier auf jede* ankommt. Abwehr hilft auch hier nicht.
    Auf das Rezept freue ich mich schon sehr, muss aber anders planen und einkaufen, da ich als Angehörige der Risikogruppe nicht einfach einkaufen gehen kann.
    Ich melde mich, wenn ich diese feine socca Pizza ausprobiert habe.
    Herzlichst, Barbara

    • Liebe Barbara,

      vielen lieben Dank für Deine Nachricht und Deine Gedanken zum Rassismus bzw. wie Du Dich zur Zeit damit befasst.

      Einen lieben Gruß!
      Stefanie

      • Liebe Stefanie,
        die Kichererbsen Pizza ist ja wohl der Oberhammer: leicht, sommerlich, angenehm sättigend, tausend Dank für dieses wundervolle Rezept, das gibts jetzt häufiger. Herzliche Grüße aus Berlin, Barbara

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