Tortilla de patata
Und was uns nach Mallorca gebracht hat

Thomas und ich werden häufig gefragt, was uns eigentlich nach Mallorca gebracht hat. Wir setzen dann oft zu weit ausholenden Erklärungen an. Wir könnten aber auch ganz verkürzt antworten: wir haben einander nach Mallorca gebracht. Als Thomas und ich uns vor 15 Jahren in Berlin kennenlernten, hegten wir beide den heimlichen Wunsch nach einem Leben in Flip Flops. Die Vorstellung von einem Leben in der Sonne übte einen extrem großen Sog auf uns aus. Und dieser Wunsch potenzierte sich noch um ein vielfaches, als wir aufeinander trafen. 

 

 

Thomas hatte sogar schon ein paar Anläufe Richtung Süden unternommen, war von seinen früheren Lebensgefährtinnen aber nie unterstützt oder begleitet worden. In unserem ersten gemeinsamen Urlaub – wir waren auf der Insel Gomera – saßen wir am Strand, und ich sagte zu Thomas: „Warum leben wir eigentlich nicht am Meer?“ Eine Woche später, wir waren zurück in Berlin, rief Thomas an und teilte mir mit: „Ich habe meine Wohnung gekündigt. Wann ziehen wir um?“ Also zogen wir nach Südfrankreich. Wir hatten eine schöne Zeit dort, fassten aber nicht richtig Fuß. Also kamen wir nach einigen Monaten zurück nach Berlin. 

 

 

Einige Zeit später besuchten Thomas und ich den Workshop einer Yogalehrerin aus Los Angeles, deren Yoga-Stil wir unglaublich toll fanden. Nach dem Kurs meinte ich zu Thomas: „Wenn ich mir was wünschen könnte, dann würde ich nach Los Angeles ziehen und die Yogalehrer-Ausbildung machen“. In der Woche darauf kündigte Thomas unsere gemeinsame Wohnung, wir packten den Hund ein und gingen nach Los Angeles. Erkennst Du das Muster ;–)?

 

 

Wir hatten eine wunderbare Zeit in Los Angeles, nur irgendwann mussten wir zurück – unser Visum lief aus. Wir zogen ins Elsass. Dort war es wunderschön, aber ein Leben in Flip Flops war nur im Hochsommer möglich. In einem besonders verregneten Herbst packten wir den Handkoffer und flüchteten für ein paar Tage nach Mallorca. Wir liefen barfuß am Strand, aßen Tortilla im Straßencafé und genossen das mediterrane Leben. Zwischen einem Schluck Bier und einem Bissen Tortilla fragte ich Thomas: „Warum bleiben wir eigentlich nicht hier?“ Am nächsten Nachmittag unterschrieben wir den Mietvertrag für eine Wohnung in der Altstadt von Palma.

 

Am Abend lief ich durch die sternenklare Nacht zu unserem Hotel, noch ganz berauscht aber auch ein klein wenig unsicher, ob wir gerade die richtige Entscheidung getroffen hatten. Ich sah in den Himmel und da fiel eine Sternschnuppe herab. Das war für mich Antwort genug.

 

Ich holte Thomas ab und wir saßen noch bis spät Abends in einer Kneipe, aßen Tortilla und stießen auf unser neuestes Abenteuer an: den Start in ein Leben in Flip Flops. 

 

 

Zum Rezept der Woche

Ich esse für mein Leben gern Tortilla, habe mir aber lange nicht die Mühe gemacht, selbst welche zuzubereiten. Zwischendurch unternahm ich einen halbherzigen Versuch, den ich aber zu trocken und langweilig fand. Vor einigen Wochen bereitete ich dann die Menüs für unsere Retreats vor. Einen Abend wollte ich dem „Mallorquinischen Soulfood“ widmen. Und da gehört ein gutes Stück Tortilla einfach dazu. Also startete eine paar neue Versuche. Dabei wurde mir klar, dass ein sehr wichtiger Bestandteil einer guten Tortilla der richtige Fettanteil ist. Die perfekte Tortilla ist nämlich niemals wässrig oder trocken sondern angenehm fettig, vollmundig und saftig. Ich fand heraus, dass ich diesen Effekt am besten erreiche, indem ich fein gehobelte Kartoffelscheiben in Olivenöl gare, um sie dann später mit angebratenen Zwiebeln, Eiern und Salz als Tortilla in der Pfanne auszubacken. Das ist der Trick. Und so schmeckt die Tortilla unglaublich gut. So gut, dass man direkt auf dumme Gedanken kommen, seine Koffer packen und Richtung Süden ziehen könnte. Oder man läuft einfach in die Küche und holt sich noch ein Stück von dem leckeren Kartoffelkuchen. So oder so wird alles gut. In Flip Flops oder ohne. Ganz sicher.

 

Und nun meine Frage an Dich: kennst Du auch diese Sehnsucht nach dem Süden? Und wie stillst Du sie?

 

 

 

Tortilla de patata

 

Für 4 Personen:

  • 700 g Kartoffeln
  • 300 g Zwiebeln
  • 5 EL Olivenöl plus etwas mehr zum Anbraten
  • 6 Eier
  • ca. 1 TL Salz plus 1/4 TL

 

Die Kartoffeln schälen und mithilfe einer Mandoline (feiner Küchenhobel) in sehr dünne Scheiben schneiden. Es ist wichtig, dass die Scheiben dünn sind, da der Garprozess sonst zu lange dauert. Die Kartoffelscheiben 10 Minuten in kaltem Wasser einweichen, dann abseihen.

 

Die Zwiebel schälen und fein hacken.

 

Eine Pfanne mit 1 EL Olivenöl leicht erhitzen, die Zwiebeln hinzufügen und bei schwacher Hitze und gelegentlichem Rühren ca. 8 Minuten glasig dünsten lassen. In eine Schale füllen. 

 

In der gleichen Pfanne 5 EL Olivenöl leicht erhitzen und die Kartoffelscheiben hinzufügen. Bei schwacher Hitze und geschlossenem Deckel ca. 12–15 Minuten dünsten lassen oder bis die Kartoffeln gar sind. Zwischendurch umrühren.

 

Die Kartoffeln in eine Schüssel füllen. Die Eier mit dem Salz mithilfe eines Schneebesens kräftig schlagen. Zu den Kartoffeln geben. Die gebratenen Zwiebeln ebenfalls hinzufügen und alles vermischen. 

 

Die Pfanne nochmals erhitzen, eine kleine Menge Olivenöl hinzufügen und die Kartoffel-Zwiebel-Ei-Mischung hinein füllen. Ca. 5–8 Minuten anbraten, bis die Seiten der Tortilla fest werden. Jetzt muss die Tortilla gewendet werden.

 

Eine zweite Pfanne in gleicher Größe oder etwas größer kopfüber auf die erste legen und beide zusammen einmal um 180 Grad drehen, so dass die bisher noch nicht angebratenen Seite in der Pfanne liegt und braten kann. Alternativ kann ein eingeölter Teller verwendet werde: diesen auf die Pfanne legen, das Ganze stürzen und vom Teller wieder in die Pfanne gleiten lassen. Weitere 5 Minuten garen lassen. Warm servieren. 

 

Zeitaufwand:
ca. 45 Minuten

 

4. November 2021

2 Kommentare zu “Tortilla de patata

  1. Liebe Stefanie,
    wie so oft lese ich Deine Zeilen, die Du liebevoll um ein Rezept drapierst und bin ge- aber auch gleichzeitig berührt. Du hast Deine und Thomas „Reise“ bis zu Eurem Traumziel so schön beschrieben, dass ich dachte, wie gut, dass es vorher diese Probeläufe gab. Wie gut, dass das Leben einem Momente schenkt, die man packen oder verstreichen lässt. Packt man sie, scheinbar beiläufig, zeigen sie einem im Rückblick, dass es wie ein Wunder erscheint, dass man diesen einen Satz gesagt hat, der alles dahin geführt hat, dass man glücklich sein kann. Deine Tortilla erinnert mich an meine Zeit in Madrid, als ich während meines Praktikums zur „Merienda“ immer Tortilla gegessen habe. Gefühlt die beste Tortilla auf der Welt. Ich habe mich danach in Deutschland nie wieder getraut eine zu essen, weil ich Angst hatte, dass dieses schöne Gefühl nicht mehr da ist. Deine Tortilla sieht so unglaublich aus, dass ich sie am Samstag nachkochen werde. Madrid ist ja schließlich schon 26 Jahre her : ). Du fragst ob ich die Sehnsucht nach dem Süden kenne und wie ich sie stille. Meine Sehnsucht gilt immer und ständig Deiner kleinen Nachbarinsel Formentera. Ich stille meine Sehnsucht, in dem ich die Augen schließe, mir vorstelle wie ich jedes Mal, wenn ich dort bin, auf meinem Klapprad die ruckeligen Seitenwege entlang fahre bis zum Meer und mich unendlich frei fühle. Vorgestern noch habe ich meine dort lebende Freundin angemailt und gefragt, ob ich im Juni nächstes Jahr wiederkommen kann. Ich habe es bisher noch nicht geschafft mir den Süden in mein Zuhause nach München zu holen, als Überbrückung, bin aber sehr gespannt, was Deine tollen Freunde hier noch schreiben werden. Bis dahin liebe Stefanie, kaufe ich morgen glückliche bayerische Landeier und die besten Kartoffeln vom Viktualienmarkt und hau sie in die Tortillapfanne. Alles Liebe, für Dich und Thomas, Anke

  2. Liebe Anke,

    so schön, wie Du das freie Gefühl beschreibst, das Du auf Formentera hast! Thomas und ich wollen die kleine Schwesterinsel auch nächstes Jahr besuchen. Ich kenne sie nur aus der Kindheit, kann mich aber leider nicht mehr so gut erinnern.

    Ich hoffe, die selbstgemachte Tortilla hat Dich nicht enttäuscht, sondern vielmehr schöne Erinnerungen geweckt. Ich habe sie gerade heute wieder zubereitet und mindestens ein Stück zuviel davon gegessen.

    Viele liebe Grüße nach München!
    Stefanie

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